Koffein ist buchstäblich in aller Munde – zumindest bei Kaffeefreunden und Teegenießern. Auch weitere Genussmittel wie Cola, Mate und Energy-Drinks enthalten die angenehm anregende Substanz. Was vielen nicht bewusst ist, es handelt sich bei dem Purinalkaloid Koffein um eine pharmakologisch wirksame Substanz. So hat es beispielsweise antioxidative Eigenschaften, die Zellen und ihre Bestandteile vor aggressiven Sauerstoffmolekülen schützen können. Darüber hinaus kann Koffein auch als Gegenspieler/Hemmstoff auf Adenosin-Rezeptoren wirken. Diese spielen im Zentralnervensystem eine Rolle; sie regulieren Herz-Kreislauf-Funktionen und Immunreaktionen. Aktiviert werden sie durch das Signalmolekül Adenosin. Adenosin und Antioxidantien fördern ihrerseits die Wundheilung. Medizinwissenschaftler der Universität der West-Indies in St. Michael (Barbados) und Dermatologen der Universität Miami (FL, USA) haben jetzt die Wirkung von Koffein auf die Wundheilung untersucht.

Die Forscher um Nkemcho Ojeh testeten an Hautzellen und Gewebeproben im Labor die Wirkung unterschiedlicher Koffeinkonzentrationen (0,1-5 mM) auf wichtige Prozesse der Wundheilung. Darunter das Wachstum und die Vermehrung von Zellen, die Differenzierung der Hautzellen, ihr Anhaften und ihre Wanderung. All diese Prozesse sind unentbehrlich für die Bildung von neuer Haut und damit für die Wundheilung. Die Ergebnisse zeigten, Koffein wirkt, in Abhängigkeit von der eingesetzten Dosis, auf das Wachstum und die Vermehrung von Zellen und auf die Wanderung von Zellen. Wachstum und Vermehrung wurden durch Koffein eingeschränkt und die Zellwanderung verzögert. Auch das abschließende Überwachsen der Wunde mit Epithelzellen wird durch Koffein behindert. Den Beobachtungen der Forscher zufolge könnte Koffein einen hemmenden Effekt auf die Wundheilung und den Verschluss der Wunde haben. Die Ergebnisse wurden im International Wound Journal veröffentlicht.

Quelle:
Redaktion hautstadt; “The effects of caffeine on wound healing”, Ojeh, N., Stojadinovic, O., Pastar, I., Sawaya, A., Yin, N. and Tomic-Canic, M., International Wound Journal 2016, 13: 605–613. doi: 10.1111/iwj.12327

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